eine Kaiserschnitt-Geburt ...
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Eine Woche nach Funny's Kaiserschnitt versuche ich nun - (hoffentlich) mit
weniger Emotionen - die Stunden vor und nach dem "Eingriff" niederzuschreiben !

Mittwochabend gegen 20 Uhr, einen Tag vor dem errechneten Termin, fing Funny an zu hecheln.
Das Hecheln steigerte sich mit jeder Stunde ohne eine Wehe bzw. Kontraktion,
gegen 21 Uhr ging dann auch Fruchtwasser ab.
Abwechselnd holte sich Funny ein Baby von Bonny und dann eines von Quitschi.
Die Kleinen dockten auch schnell an den schon gefüllten Zitzen an und vielleicht ...
löst dies ja eine Wehentätigkeit aus ... dachte ich !!

Gegen 23 Uhr rief ich unseren Tierarzt an, um mit ihm die weitere Vorgehensweise abzuklären,
schließlich hatte ich zuviel Angst, dass Funny kollabieren könnte.
Ferndiagnose ist immer schwierig und so packten wir Funny warm ein und fuhren in die Praxis.
Röntgenbild und Ultraschall - die Herztöne der Babies waren nicht mehr doll, und ein recht
großes Baby sahen wir auf dem Röntgenbild im Geburtskanal stecken - oh je !!
Wehenmittel mit schlechten Herztönen war dem Doc zu riskant und so entschlossen wir uns
zu diesem hässlichen Kaiserschnitt ...

Alle Untersuchungen, rasieren und Kathederlegen ließ Funny ganz lieb über sich ergehen.
Nun waren alle 3 Doc's der Praxis anwesend und die Uhr zeigte 0.30 Uhr am 20.11.08
Funny wurde in den OP geschoben, Heri (mein Mann) und ich standen nebenan, noch nicht wissend
was da gleich auf uns zukommen wird ...

Vor uns auf dem Tisch eine Wärmedecke, von oben eine Rotlichtlampe und dann ...
kamen auch schon die ersten zwei Funny-Babies ... so groß aber auch so leblos ...
narkotisiert über den Blutkreislauf von Funny.

    
Dieser Anblick trieb mir die Tränen in die Augen, der Doc rief nur rubbeln ...
"Frau Ganter, nicht aufhören zu rubbeln" !!!!
Da kamen schon die nächsten zwei und nach ein paar Sekunden nochmals zwei ...
Nun lagen 6 Streiflis mit Nabelklemmen in Reih und Glied vor uns, ohne Regung, ohne sichtbaren Herzschlag!!



Mehr als eine Stunde rubbelten Heri und ich ohne Unterlass, meine Nerven ...
unvorstellbar, dass in diese leblosen Körper mal Spannung kommen könnte !!

Immer wieder hörte der Doc nach den Herztönen, sie waren da - zuerst schwach aber zunehmend stärker!
Nun sahen wir auch die kleinen Herzchen pochen und langsam löste sich auch mein Krampf im Kopf !!
Funny, noch in Narkose, kam in ihren Kennel und ihre Zwerge in das mitgebrachte Nestchen.

Zuhause angekommen - um 2.15 Uhr - legten wir die kleine Familie in die Wurfkiste.
An Schlaf war nicht zu denken, aufgepuscht von den letzten Stunden,
war die Sorge um Funny, die immer noch nicht ganz da war, viel zu groß !
Auch die Babies waren noch nicht wach und mein Blick ging ruhelos von einem zu anderen.

Gegen 4 Uhr, in einer Zeitspanne von 35 Minuten, fing dann ein Baby nach dem anderen
an sich zu bewegen ... nur eines nicht, ein kräftiges Katerchen ist nicht aus der Narkose aufgewacht.
Rückblickend vermuten wir, dass es der Kleine war, der im Geburtskanal steckte.

Bis 5.30 Uhr legte ich ein Baby nach dem anderen vorsichtig an Funny's Zitzen an,
der Verband hatte sich schon gelöst, die Fäden schienen aber stabil zu sein.

Funny's kleinstes Mädel mit 77 Gramm machte mir aber Sorgen, denn so richtig fit wollte
sie nicht werden und an Andocken war auch nicht zu denken.
Ich spritzte nun alle 2 Stunden eine 5% Glucose-Lösung gemischt mit einer Ringer-Lactat-Lösung,
damit die Kleine nicht austrocknet ... leider hatte sie nicht die Kraft und folgte ihrem großen Bruder
18 Stunden später in den Katzenhimmel.
 

Trost bietet es zwar nicht zu wissen, dass es ganz normal ist, dass 20% der geborenen Kätzchen versterben. Katzen zählen zu den sehr fruchtbaren Tieren und die Natur "rechnet" deshalb mit einer normalen Sterblichkeitsrate von ca. 20% im Neugeborenenalter.
Dies ist die Aussage einer sehr kompetenten Veterinärin des Universitätsspitals Zürich.
Nein, Trost findet man im Moment nicht, wenn man weinend zusehen muss, wie die Kleinen sich aufmachen,
 um in den Katzenhimmel zu ziehen, aber es hilft zu verstehen, warum man nicht jedes neugeborene Kitten auch in den nächsten Wochen aufwachsen sehen darf.

 

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